Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger
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Nachdem es schon in den Jahren zuvor in einigen Küstenorten zur Gründung von Vereinigungen zur Rettung Schiffbrüchiger gekommen war, wurde am 29. Mai 1865 in Kiel die "Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" gegründet.
Damit war das wichtige Ziel erreicht, eine einheitliche und unabhängige Seenotrettung für die deutschen Küsten einzurichten. Sitz der Gesellschaft wird Bremen.
Wie notwendig eine derartige Organisation ist, verdeutlicht die folgende Zahl: Vom Zeitpunkt ihrer Gründung bis zum Juni 2009 haben die Männer der DGzRS 75.515 Menschen aus Seenot oder lebensbedrohlichen Situationen gerettet.
Bild oben: Beim Auslaufen aus dem Hafen von Laboe.
Bild links: Vorführung während des Laboer Hafengeburtstges.
Die Stationen
Die DGzRS unterhält an Nord- und Ostsee insgesamt 54 Stationen. Viele davon sind ständig besetzt.
Im Dienst sind 20 Seenotrettungskreuzer und 41 Seenotrettungsboote (Stand 2009).
Im Jahr 2004 sind die Boote zu 2.547 Einsätzen ausgelaufen. Dabei haben allein die 20 Rettungskreuzer eine Strecke von 73.943 Seemeilen (ca. 137.000 Kilometer) zurückgelegt. Es wurden 1.548 Menschen gerettet, befreit oder transportiert. 67 Schiffe und Boote wurden vor dem Untergehen bewahrt, und unter "Diverses" fallen 883 Einsätze bei nautischen Hilfeleistungen aller Art.
Bild rechts: Die Löschkanonen mit einer Leistung von 36.000 Litern pro Minute. Sie werden von einer 2.000 PS starken Maschine angetrieben. Währenddessen halten zwei weitere Maschinen mit je 700 PS das Boot auf Position.
Die Boote an der Ostsee
Eckernförde Seenotrettungsboot "Eckernförde"
Baujahr: Juni 2004
Im Bedarfsfall besetzt, Besatzung: Freiwillige
Sprechfunk : UKW
Heiligenhafen Seenotrettungsboot "Heiligenhafen"
Baujahr: Oktober 2000
Puttgarden Seenotrettungsboot "Emil Zimmermann"
Baujahr: Mai 2000
Großenbrode / Seeposition Fehmarn Seenotkreuzer "John T. Essberger"
Tochterboot "Elsa"
Ständig besetzt und hörbereit
Sprechfunk: Grenzwelle, UKW und UHF
Kontakt zu SAR-Luftfahrzeugen
Grömitz Seenotkreuzer "Bremen"
Tochterboot "Vegesack"
Ständig besetzt und hörbereit
Sprechfunk: Grenzwelle, UKW und UHF
Kontakt zu SAR-Luftfahrzeugen
Neustadt Seenotrettungsboot "Crempe"
Im Bedarfsfall besetzt, Besatzung: Freiwillige
Travemünde Seenotrettungsboot "Hans Ingwersen"
Baujahr: Februar 2000
Im Bedarfsfall besetzt, Besatzung: Freiwillige
Mit dieser Technik lässt sich jeder Hering aufspüren - die Brücke.
Klare Sicht bei jedem Wetter - die Brücke mit den Rundum-Scheibenwischern.
Aussensteuerstand
Aussensteuerstand
Am Liegeplatz
Die MS BERLIN
Das Boot
Kennung: DBAH
Bauwerft: Lürssen Vegesack, Bremen
Indienststellung: 29. Mai 1985
Höchstgeschwindigkeit: 24 Knoten
Länge: 27,5 m - Breite: 6,53
Tiefgang: 2,10 m - Verdrängung 103 t
Drei Propeller, Leistung 3.194 PS
Tochterboot: Steppke
Besatzung: 4 Mann. Die Crew kommt aus ganz Deutschland und wechselt im 14-tägigen Rhythmus.
Die "Berlin" gehört zur 27-m-Klasse, baugleich sind "Hermann Helms", "Alfried Krupp", "Vormann Steffens, "Arkona" und "Bremen".
Technik und Elektronik
Der Kreuzer ist mit modernster Computer-, Funk- und Peilungstechik ausgerüstet: UKW/GW-Funk, Echolot, Radar, Funkpeiler, DGPS ("Differential Global Positioning System", ein erweitertes und genaueres GPS), DSC (ein digitales Rufnummernsystem für den Funkverkehr in der Seefahrt), Navtex ("Navigational-Telex-System", nautische Warnnachrichten per Telex), Homing (Flugfunk-Ortungssystem für Luftnotfälle und Seenotfunkbaken ), Selbststeueranlage, Videoplotter, Fremdlenzanlage und Feuerlöschanlage. Zur Versorgung Verletzter ist ein eigenes Hospital vorhanden.
Die Arbeit
Die "MS Berlin" bewältigt etwa 100 Einsätze pro Jahr. Die Einsatzgründe sind vielfältig: Im Winter geraten mehr Schiffe in schwere See, im Sommer werden auch Touristen mit gesundheitlichen Problemen versorgt.
Erreichbarkeit
Der Rettungskreuzer ist rund um die Uhr erreichbar über die Seenotleitstelle in Bremen ("Bremen Rescue Radio"), Kanal 16 und 70 (DSC), Rufzeichen BREMEN RESCUE, oder via Festnetz an seinem Liegeplatz in Laboe über die Nummer 04343 - 6540.
Im Gewerbehafen von Laboe
Kontakt und Anschriften
Bild rechts: Das Beiboot, der "Steppke"
Deutsche Gesellschaft
zur Rettung Schiffbrüchiger
Werderstr. 2 - 28199 Bremen
Tel. 0421 - 537070 - Fax 0421 - 707690
web: www.dgzrs.de
e-mail: info [at] dgzrs.de
Die DGzRs finanziert sich ausschliesslich aus Spenden. Das heisst: Auch Sie können dabei helfen, Menschen aus der Not zu retten.
Spendenkonto: Sparkasse Bremen
BLZ 290 501 01 - Konto 107 2016
Bitte beachten Sie auch die überall aufgestellten "Spenden-Schiffchen".
Seenotleitung MRCC Bremen
Telefon: 0421 - 53687-0
Handy: 124 124
UKW Kanal 16 und 70 (DSC)
AFTN: EDDWYYYX
Aus dem Alltag eines Rettungskreuzers
:: Laboer Hafengeburtstag 2007 - Ein Zwischenfall ::
Laboer Hafengeburtstag 2007: Auf der MS "Berlin" ist "Open Ship", Dutzende von Besuchern bevölkern das Schiff. Auch draussen ist was los: Die Männer des Kreuzers führen gerade ihr Beiboot "Steppke" vor. Die Heckklappe ist offen, der "Steppke" wird für eine Vorführung zu Wasser gelassen.
Plötzlich wird es ernst: Vor Schilksee auf der anderen Seite der Kieler Förde sind zwei Freizeitsegler gekentert und in den Bach gefallen. Blitzartig müssen die Besucher von Bord, der "Steppke" wird eingesammelt, der Kreuzer prescht aus dem Hafen.
Alles halb so wild, mit gewohnter Routine werden die Badewannen-Kapitäne vor Schilksee aus dem Wasser gefischt. Für den kleinen Zwischenfall "entschuldigen" sich die Männer der "Berlin" auf ihre Art, die ihnen wohl kaum einer wird nachmachen können. Sie zeigen, was man mit dem beiden Löschkanonen so alles anstellen kann.
:: Haarscharf an der Katastrophe vorbei ::
In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 2009 kommt es im Kieler Hafen fast zu einer verheerenden Katastrophe. Die MS "Berlin" hat großen, wenn nicht entscheidenden Anteil daran, dass eine gewaltige Explosion verhindert werden konnte.
Gegen 23:45 bemerkt ein Schleusenwärter in Kiel-Holtenau ein Feuer auf dem gegenüberliegenden Ufer des Nord-Ostsee-Kanals. Dort brennt ein Lager für Paraffin. Auf Grund der Brennbarkeit des Materials breiten sich die Flammen schnell aus, im Laufe der Nacht sind insgesamt 500 Helfer im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen.
Nur wenige Meter neben dem Lager befinden sich zwei etwa 10 Meter hohe, große Tanks mit Flüssiggas. Diese drohen zu explodieren. Man ruft die "Berlin" zu Hilfe, die nur 45 Minuten später vor Ort ist und Position im Nord-Ostsee-Kanal bezieht. Mittlerweile ist das Paraffin über die Kaimauer hinweg in's Wasser gelaufen, es brennt auf dem Kanal. Das Feuer droht gegen die Schleusen zu treiben und diese zu beschädigen, was durch den Einsatz der "Berlin" verhindert werden kann. Aber noch wichtiger: Mit seinen leistungsstarken Löschkanonen gelingt es dem Kreuzer, die beiden Tanks mit dem Flüssiggas so zu kühlen, dass eine Explosion mit wahrscheinlich verheerenden Folgen verhindert werden kann.
:: Die "Berlin" als Abschleppwagen ::
Pressemeldung der Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein: Segeltörn mit gestohlenem Motorsegler endet auf Sandbank.
Am 9.8.2009, gegen 16:40 Uhr, wird beim Wasserschutzpolizeirevier Kiel ein Motorsegler mit zwei Masten und 14 Meter Länge als gestohlen gemeldet. Das Fahrzeug wurde in der Nacht zuvor in Schilksee entwendet.
Gegen 18:35 Uhr hatte eine Passantin vor Wendtorf eine gestrandete Segelyacht
festgestellt und dies der Polizei mitgeteilt. Der Seebereich vor Wendtorf wurde unverzüglich mit dem Polizeiboot "Brunswik" angelaufen. Vor Ort wurde festgestellt, dass es sich um die entwendete Segelyacht handelte. Der Täter befand sich noch an Bord. Er konnte festgenommen und in den Polizeigewahrsam
überführt werden. Ein Atemalkoholtest beim Beschuldigten ergab einen Wert von 1,44 Promille.
Die Segelyacht konnte durch den Seenotrettungskreuzer "Berlin" freigeschleppt und nach Schilksee verbracht werden. Die Ermittlungen zum genauen Tathergang dauern noch an.